VLamax einfach erklärt: Glykolytische Kapazität im Ausdauersport
21. April 2026 · 7 Min. Lesezeit
VLamax ist die maximale Laktatbildungsrate pro Sekunde, ausgedrückt in mmol/l/s. Sie beschreibt, wie schnell der Muskel unter maximaler Belastung Glukose anaerob zu Laktat abbauen kann — eine Art „Drehzahl-Limit" der Glykolyse. Niedrige Werte sprechen für ein Ausdauer-Profil, hohe Werte für ein Sprinter-Profil.
Warum VLamax wichtiger ist, als die meisten denken
Die meisten Ausdauersportler kennen ihre Laktatschwellen (LT1, LT2) aus einem klassischen Stufentest. Was dabei unter den Tisch fällt: Die Form der Laktatkurve selbst — und damit das zugrundeliegende Stoffwechsel-Profil — hängt entscheidend von VLamax ab.
Zwei Athleten mit identischer anaerober Schwelle (sagen wir 4 mmol/l bei 280 Watt) können in einem Wettkampf über 180 km Rad komplett unterschiedlich performen. Warum? Weil der eine seine Glykogenspeicher doppelt so schnell verbrennt wie der andere. Das ist der VLamax-Unterschied.
Wie wird VLamax gemessen?
Es gibt zwei etablierte Protokolle:
1. 15-Sekunden-All-out-Sprint (Standard)
- Vor dem Sprint: Ruhe-Laktat messen
- 15 Sekunden maximal treten / sprinten (meist SRM- oder Wattbike-Ergometer)
- Nach dem Sprint: Laktat bei 3, 5, 7 und 10 Minuten
- VLamax = maximaler Laktatanstieg ÷ 15 Sekunden
2. Indirekte Berechnung aus Stufentest
Moderne Diagnostik-Software (z. B. LactateThreshold) kann VLamax über die Kurvenform des Stufentests schätzen. Weniger präzise, aber deutlich günstiger und ohne Extra-Test.
Typische Werte nach Sport-Profil
| Profil | VLamax (mmol/l/s) | Typisch für |
|---|---|---|
| Reiner Ausdauer-Athlet | 0,3 – 0,45 | Marathon, Triathlon Langdistanz |
| Hybrid-Profil | 0,45 – 0,6 | Straßenrennen, Mitteldistanz |
| Kraft-Ausdauer | 0,6 – 0,75 | Bahnrad, Kriterium, Cyclocross |
| Sprinter | 0,75 – 0,95+ | 100 m Lauf, BMX, Bahn-Sprint |
Hoch oder niedrig — was ist besser?
Das ist eine Fangfrage. Die ehrliche Antwort: Es hängt vollständig von der Zieldisziplin ab.
Hohe VLamax ist gut, wenn du kurze, explosive Belastungen brauchst: Sprintfinale, Antritte, wiederholte Intervalle. Sprinter und Team-Sport-Athleten profitieren.
Niedrige VLamax ist gut, wenn du lange gleichmäßig Leistung bringen musst. Warum? Niedrige Laktatbildungsrate bei gleicher Leistung heißt: Weniger Glykogen-Verbrauch pro Watt, mehr Fett-Oxidation, langsamere Ermüdung. Ironman-Gewinner haben typischerweise VLamax unter 0,35.
VLamax trainieren: die zwei Richtungen
VLamax erhöhen
- Glykolytisches HIIT: 30 s max / 30 s locker, 8–12 Wiederholungen
- Kurze Sprints mit voller Erholung (Alaktazid-Training)
- Krafttraining mit explosivem Charakter
VLamax senken
- Lange, niedrig-intensive Grundlagen-Einheiten (GA1) über 2+ Stunden
- Nüchtern-Training für Fett-Oxidations-Anpassung
- Reduktion von Sprint- und HIIT-Volumen in der Spezifischen Phase vor dem Wettkampf
VLamax und Fat-Max-Schwelle
Ein oft übersehener Effekt: Sinkt VLamax, verschiebt sich die Fat-Max-Zone (maximale Fettverbrennung pro Zeit) nach oben. Du kannst bei höherer Leistung immer noch primär Fett verbrennen — entscheidend für alles über 3 Stunden Wettkampfdauer.
Konkret: Ein Triathlet mit VLamax 0,3 verbrennt bei 220 Watt noch 60 % Fett. Derselbe Athlet mit VLamax 0,55 verbrennt bei 220 Watt nur noch 30 % Fett und muss deutlich mehr Kohlenhydrate zuführen.
Praktisches Vorgehen
- Stufentest machen und LT1 / LT2 bestimmen
- VLamax dazu messen (15-s-Sprint-Protokoll) oder per Software aus dem Stufentest schätzen
- Profil interpretieren: passt meine VLamax zu meiner Zieldisziplin?
- Trainings-Schwerpunkt für die nächsten 8–12 Wochen setzen (erhöhen / senken / halten)
- Nach 8 Wochen re-testen, Ergebnis mit dem Baseline-Wert vergleichen
Fazit
VLamax ist kein „Zusatzwert", der neben der Laktatschwelle mitläuft. Sie ist die zweite Dimension deines Stoffwechsel-Profils — und ohne sie kann kein Trainingsplan über längere Ausdauer-Disziplinen wirklich optimiert werden. Für Sportler ohne Coach oder Diagnostik-Budget: Web-Tools wie LactateThreshold liefern eine brauchbare Schätzung direkt aus deinen Stufentest-Daten.